So bin ich schon lange nicht mehr.
Juni 18, 2008
Mein Vater denkt noch immer, dass ich das dumme 13-jährige Mädchen bin, welches sich von sämtlichen Männern, die einem die schöne Welt vorgauckeln, beeindrucken lässt.
Mein Vater kennt mich kein bisschen!
Chancen-los?
Mai 23, 2008
Ich bin in fast allem gut bis sehr gut. Aber es gibt kaum etwas, was ich machen kann, ohne nachzudenken. Kein Singen, ohne über die Töne nachzudenken. Kein Tanzen, ohne zu überlegen, welcher Schritt als nächster kommt.
Als ich in der 1. Klasse war, habe ich unserem Hausmeister zum Geburtstag ein Ständchen vor der ganzen Schule gesungen. Ich kann auch singen. Aber ich bin keines von diesen Talenten, das von da an nur noch auf der Bühne stehen wollten. Ganz im Gegenteil.
Ich wollte nicht vor und für andere Leute singen. Was vielleicht daran liegt, dass meine Eltern meine Schwester und mich immer nur Volkslieder singen haben lassen.
Ich konnte mich damit nicht identifizieren. Damals schon nicht. Heute finde ich solche Lieder genial, vor allem, mit etwas Alkohol im Blut, gibt es nichts Lustigeres, als Dialekt-Lieder. Der Alkohol ist aber auch schon alles, was mich mit dieser Musik verbindet.
Trotzdem singe gar nicht mehr. Ich habe irgendwann angefangen mich zu genieren, wenn andere Leute meine Singstimme hören. Auch wenn es keinen Grund dafür gab.
Bereuen tu ich’s. Meine Stimme ist zwar gut, aber eben total untrainiert. Ich habe eine komplett falsche Technik und wenn ich singe, schmerzen meine Stimmbänder schon nach kurzer Zeit. Meine Stimme ist ohnehin etwas tiefer, deshalb werde ich auch schnell heiser.
Das Singen würde ich gerne können.
Irgendwann wollte ich dann tanzen. Doch einen genaueren Plan hatte ich nicht. Meine Mama und ich haben ein Hobby gesucht und schließlich hat sie mich zum Ballettunterricht geschleppt. Ich hab mich dort so unwohl gefühlt, dass ich angefangen habe zu weinen. Die Lehrerin sah aus wie eine alte Hexe und die Mädels in ihren engen Tutus waren nicht nett. Ich konnte mir nicht vorstellen hier noch einmal zurückzugehen und meine Mama war danach echt sauer auf mich, weil ich das anfangs unbedingt wollte.
Generell habe ich mich zu wenig unterstütz gefühlt, als es darum ging mich für irgendetwas zu begeistern. Ich wurde kaum zu etwas ermutigt, noch gab man mir Tipps. Es hieß immer nur „Mach das was du willst, was dir Spaß macht!“
Aber ich hatte null Ahnung von dem, was mir Spaß machte.
Heute werde ich fast ein wenig wehmütig, wenn ich mir vorstelle, wie geil ich tanzen könnte, wenn ich die Technik beherrschen würde. Ich kann an und für sich tanzen. Genau so, wie ich singen kann.
Auch hier sind die Ansätze gut bis sehr gut für eine Laie. In mir schlummern zwei Ambitionen, die ich nicht voll ausschöpfe, und nun fühle ich mich schon zu alt, eine davon auszubauen. Obwohl ich das total gerne machen würde. Ich würde mir blöd vorkommen unter all den viel Jüngeren, die es schon viiiiel besser können als ich.
Aber ich spiele Querflöte.
Und ich weiß nicht warum. Das heißt, eigentlich weiß ich es doch.
Ich spiele es für meine Eltern. Weil sie es so wollen und nicht, weil es mir so viel Spaß macht. Im Gegenteil. Es nervt mich tierisch. Letzten Sommer habe ich meiner Mama gesagt, dass ich aufhören möchte, es mache mir keinen Spaß mehr. Anfangs tat es das sogar. Und ich war auch erstaunlich gut. Sehr gut sogar, für mein damaliges Alter und die kurze Zeit, die ich damals spielte.
Heute kommt es mir vor, als würde ich schlechter Spielen, als vor 2 Jahren.
Ich spiele ohne Emotionen, ohne irgendwelche Freude daran.
Das kommt, weil ich nicht aufhören durfte.
Das war so schrecklich für mich. Ein Schlag mitten ins Gesicht.
Wieder habe ich mich zu wenig unterstützt und verstanden gefühlt. Ich weiß noch, wie ich fast keine Luft mehr bekommen habe, weil sich alles in mir dagegen gesträubt hat und ich trotzdem weiter machen musste. Ich sage offen und ehrlich, dass es mich nicht mehr interessiert und dass ich es richtig beschissen von ihnen finde, dass sie mich dazu zwingen. Ich werde euch das nie verzeihen blabla …
Ein halbes Jahre spiele ich jetzt noch, danach können sie mich alle kreuzweise. Ich wusste nie was ich wollte, aber ich weiß wenigstens, was ich nicht will. Nämlich nicht mehr so tun, als ob ich es mögen würde und meine Zeit ist mir zu kostbar um sie mit für mich sinnlosen Tätigkeiten zu verschwenden.
Ich könnte viel besser Querflöte spielen, wenn ich wollte.
Aber ich das will ich nicht.
Ich wollte nie dumme Volkslieder singen. Einfach nur singen. Meine Lieder singen.
Ich wollte kein Ballett tanzen. Das Tutu war hässlich und die Lehrerin von damals auch. Aber Hiphop und Streetdance hätten mir gut gefallen.
In meiner Familie war ich immer die Rebellin. Die, die aufmüpfig, überdreht und zu anspruchsvoll war. Dabei habe ich mich immer zurückgenommen, um das so gut wie möglich zu unterbinden. Ich hatte lange das Gefühl so werden zu müssen, wie meine große Schwester. Ruhig, anständig und nachgiebig. Und noch länger hatte ich das Gefühl dem nicht nachzukommen und deshalb nicht gut genug zu sein. Ich stand ewig in ihrem Schatten, weil wir immer miteinander verglichen wurden.
Heute sehe ich mich ihr in einigen Dingen überlegen, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.
Ich bereu so viel. So waaaaahnsinnig viel. Ich hätte noch so viel mehr aus mir machen können. Und jetzt fühle ich mich scheiße deswegen. Es ist, als ob ich schon unzählige Chancen in meinem Leben hätte sausen lassen. Chancen, die nie wieder kommen. Erfahrungen, die ich nie machen werde.
sturmfrei
Mai 23, 2008
Mama und Papa in Wien. Das Haus über das lange Wochenende also ganz für mich und meine Schwester.
Und alles was meine Mama gesagt hat, als ich ihr angeschafft habe etwas Alkohol zu besorgen, war: „Schreib mir das auf, ich kanns mir so nicht merken!“
Meine Mama ist die Beste! =)
bz
Mai 4, 2008
bz … bumm zua (=stockbesoffen)
„Schön, dass ihr euch darüber freuen könnt.“
Mein Papa steht in der Mitter des Raumes, weißt nicht auf welche Seite er zuerst kippen soll und wechselt seinen glasigen Blick zwischen mir und meiner Mama.
„Du bist bz. So bz warst du noch nie“, presst sie unter Lachkrämpfen hervor.Ich tu mir da gar keinen Zwang an. Ich lache, und lache, und lache …. und lache.
Weil es so geil aussieht, wenn mein Papa zu viel getrunken hat.
„Jaja … ssschon gutt.“
„Ich könnte auch böse sein und sagen, du sollst dir eine Matratze suchen und im Keller schlafen. Okay, dann mach ich das halt nächstes Mal so … „
„Dass kommd aber auchh in den nächsdn 15 Jahren nich mehr vor … ichh kann misch gar nich erinnern, dass ichh schhon jemalss sooooo besoffen gewesen wäre …“
Er rennt im Kreis, kann sich kaum mehr halten und eine Fahne zieht er hinter sich her. Mein liiiiieber Schwan! ^^ Es ist zu geil. Ich hab mich dann ins Badezimmer verabschiedet, aber ich hab noch gehört, wie er seine Schuhe im Treppenhaus ausgezogen hat, die Treppe hinaufgestolpert ist und die Schlafzimmertür fast eingerammt hätte. Und dann ist er wohl sofort eingeschlafen. – Ich lache allerdings noch immer. (*rofl*)
Ich bin nämlich noch nie so besoffen nach Hause gekommen (Gott bewahre ^^), und schon gar nicht, als die Küchenuhr bereits 18:03 (!!!!) angezeigt hat.
You can dance
April 22, 2008
„Und wie tanzt ihr da so?“
Meine Schwester macht kreisende Bewegungen mit ihrem Becken, reißt die Arme in die Höhe und lässt sich mitten im Wohnzimmer vom Beat der Musik tragen, die aus dem Fernseher dringt.
„Wooooow, ja … mein lieber Schwan.“ Mamas Augen werden ganz groß und ich glaube, sie hat wirklich nicht damit gerechnet, wie sexy heutzutage getanzt wird.
Ich runzle kurz die Stirn. „Das ist noch gar nichts, du müsstest echt sehen wie das wirklich abgeht.“
„Stimmt, jetzt trau ich mich ja nicht so extrem.“, pflichtet meine Schwester mir bei und wird dabei etwas rot.
„Also wir haben immer so getanzt …“
Mama steht vom Sessel auf und beginnt von einem Bein aufs andere zu treten, mit den Armen zu schlagen und irgendwie sieht es aus, als würde sie den DJ Ötzis „Burger Song“ nachäffen. Eigentlich kann meine Mama gut tanzen. Cha-Cha-Cha, Tango, Foxtrott, Jive, Wiener Walzer, … all dieses Sachen. Sie hat’s eigentlich voll drauf. Aber zu House kommt das halt leider nicht so gut. ^^
„Nächstes Mal geh ich einfach mit“, verkündet sie plötzlich grinsend und marschiert aus dem Wohnzimmmer, wo meine Schwester und ich zurück bleiben und ihr verdattert hinterher starren.
„Das hab ihr jetzt doch nicht wirklich geglaubt, oder?“ Sie lugt nochmal zur Tür herein und ihre Gesichtszüge welchseln von todernst bis knallrot vor lachen.
„Niiiiiiiiiiiiiie“, antworten meine Schwester und ich gleichzeitig und man konnte fast hören, wie unser Herz wieder zu schlagen begonnen hat.